Führungsfehler: Kommunikation

Über die Kommunikation finden sich meterweise Literatur, Studiengänge, Kurse, Ratgeber und Blogposts wie diesen hier. Die Königsklasse der Führungsfehler wird eigentlich angeführt von Kommunikationsfehlern. Es wird über eine fehlende Fachkompetenz noch eher hinweggesehen als über die Art und Weise, wie der Chef oder eben die Führung spricht und schreibt oder eben nicht spricht und schreibt. Deshalb gilt es bei der Kommunikation etwas zu differenzieren. Sowohl auf der mündlichen als auch auf der schriftlichen Ebene gibt es die Informationsvorenthaltung, die Informationsteilvorenthaltung und die Falschinformation. Nicht berücksichtigen wollen wir an dieser Stelle die nonverbale Kommunikation, dies überlassen wir gewieften sozialwissenschaftlich oder tiefenpsychologisch-haptisch angehauchten Vertretern. Auch wollen wir das „Wie“ der Kommunikationsfehler etwas auslassen, also den Nuschler oder den Orthographiefehlermacher beispielsweise.

Informationsvorenthaltung und -teilvorenthaltung

Im Volksmunde von Geheimniskrämerei bis Hinterfotzigkeit genannt, hat eine Führungsperson auf mehreren Ebenen verloren, wenn sie ihren Mitarbeitern Informationen nicht oder teilweise zukommen lässt. Als Folge davon wissen die Mitarbeiter nicht oder nur teilweise, was sie für die Erledigung ihrer Geschäfte wissen sollten, auf zwischenmenschlicher Ebene verlieren Sie als Führungsperson das Vertrauen der Mitarbeiter, aus der Sicht der Obrigkeit ist es vielleicht richtig, dass Sie nicht alles gesagt haben, was über der gläsernen Decke passiert, aber im Falle von Fehlern werden Sie geradestehen müssen und niemand anders.

Der einfache Denkfehler, der hier passiert, ist nämlich die eben falsche Annahme, dass Information Macht darstellt – und diese will nicht geteilt werden mit niederem Fussvolk, man ist ja schliesslich der Chef. Ein veraltetes Führungsbild. Nicht das Ausmass an Information, das von oben erhalten und nach unten geteilt wird, ist Macht, sondern – etwas plakativ gesagt – darauf basierende Entscheidungen sind Macht. Wer Informationsflüsse kontrollieren will, betreibt Micro Management oder hat den Paten zu oft gesehen. Oder im Klartext: Ihre Mitarbeiter können alles wissen, Entscheidungen treffen können sie nicht. Das darf und kann nur der Chef. Also hören Sie auf, sogenannte Salamitaktik zu betreiben, informieren Sie umfassend und transparent, dann gewinnen Sie. Ausser, Sie arbeiten in der Politik, dann gilt das nicht für Sie.

Die Falschinformation

Leider ist auch die Falschinformation ein häufig auf Führungsebenen anzutreffendes Phänomen, das auf der Careersblog „Würdeskala“ sehr weit unten figuriert. Die Falschinformation birgt ja ein so grosses betriebliches Risiko auf vielen Ebenen, dass wir darauf separat in einem weiteren Blogpost eingehen wollen. Die Konsequenzen von Falschinformation sind dieselben wie oben beschrieben. Sie verlieren das Vertrauen der Mitarbeiterschaft, der Obrigkeit, Betriebsrisiko, da da da, plus zusätzlich haben Sie sich selber gerade als 6jähriges Kind geoutet, dass aus Furcht vor irgendwelchen Konsequenzen lügt. In diesem Fall sind Sie als Führungsperson definitiv an der falschen Stelle. Nehmen Sie sich das zu Herzen, wenn Sie eine neue Führungsperson sind: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter aus welchen Gründen auch immer mit Falschinformationen beliefern müssen oder beliefert haben, nehmen Sie eine Auszeit! Kündigen Sie und gehen Sie reisen! Ihr Betrieb hat Sie nicht verdient und Sie haben diesen Betrieb nicht verdient.

Machen Sie es besser

Kommunizieren Sie umfassend, halten Sie keine Information zurück. Wenn es beispielsweise um eine Betriebsauflösung oder um eine Kündigungswelle oder eine Übernahme geht, müssen Ihre Mitarbeiter das wissen. Die meisten haben es sowieso schon gemerkt, ähm, weil sie in diesem Betrieb arbeiten? Schrumpfende Auftragsvolumina, ein Rückgang an Neuanstellungen, Stellenzusammenlegungen – Ihre Mitarbeiter sind ja nicht blind oder taub. Vergessen Sie auch hier nicht, dass Sie als Führungsperson im Dienste Ihrer Mitarbeiter stehen, und nicht nur im Dienste Ihres Betriebes.

Bleiben Sie cool! Führen macht Spass!

Ihr Careersblog

Führungsfehler: Abwesenheit oder Überanwesenheit

Es gibt aus der Sicht von Mitarbeitenden wohl keinen grösseren Fehler, den ein Chef machen kann, als abwesend zu sein. Und damit ist natürlich nicht gemeint, dass der Chef nicht so häufig auf Reisen gehen soll.

Gemeint ist die geschlossene Türe, die mit ‚privat‘ gekennzeichneten Termine in der teilweise einsehbaren Agenda, das regelmässige Verschwinden freitags um 16.00 Uhr mit dem Surfbrett auf dem Dachträger, oder auf der anderen Seite des Spektrums Mails um 2.00 Uhr morgens oder an Sonntagen, Memos aus den der Mitarbeiterschaft bekannten Karibikferien, Aufgabendelegation zur Unzeit. Wessen Mitarbeiter folgende Fragen stellen, hat bereits verloren: „Was macht er überhaupt den ganzen Tag?“ und „Wo ist er denn die ganze Zeit?“.

Es ist nun mal so eine Sache mit der Ansprüchen von Mitarbeitenden an ihre Vorgesetzten. Erwartet werden Management- oder Fachkompetenz, Engagement für die Mitarbeitenden und Transparenz. Wer um 4.00 Uhr morgens ein Memo an seine Mitarbeitenden verschickt, leidet entweder an Insomnia oder an der Überengagementkrankheit für den Betrieb. Gerade junge, motivierte Neuführungskräfte (meistens mit gestreifter Kravatte auf hellgelbem Grund anzutreffen) fallen häufig dieser Krankheit zum Opfer. Verstehen Sie mich nicht falsch: Aus der Sicht der Stake- und Shareholder sind solche Führungsleute top – aus der Sicht der Mitarbeiter wird ein falsches Signal versendet. Der Chef ist immer da für den Betrieb, das ist gut; aber er sollte eben immer für die Mitarbeitenden da sein. Hier eine Balance zu finden, ist tatsächlich schwierig.

Ins selbe Kapitel gehört der verschwundene Chef, der seine Termine in der Agenda als ‚privat‘ und dementsprechend nicht einsehbar kennzeichnet; der zwar stundenlang hinter verschlossener Tür ‚etwas tut‘, aber besagtes Memo dann als Output besagter stundenlanger Tätigkeit nicht verschickt. Der aus Sitzungen mit den ‚Oberen‘ zurückkehrt und eine verschlossene Miene und einen verschlossenen Mund mitbringt. Der seine Mitarbeitenden nicht teilhaben lässt, sie nicht in den inneren Kreis reinlässt. Hier tangieren wir bereits ein nächstes wichtiges Kapitel der Führungsfehler, die wir in einem nächsten Post besprechen werden: die Kommunikation. Aber wir wollen hier nicht vorgreifen.

Wie man es besser macht…

Sind Sie neu designierter Führungsmensch, nehmen Sie sich folgende gut gemeinte Ratschläge zu Herzen:

  1. Berufen Sie sofort Sitzungen, Teamsitzungen, gemeinsame Mittagessen, Kaffeepausen mit Ihren Mitarbeitenden ein und halten Sie sich an den gesetzten Rhythmus (Wir wollen das weitere Todesurteil „Am Anfang hat er/sie immer…“ vermeiden). Es gibt keine besseren ‚Gefässe‘ (ein Unwort, das weit oben auf der Unwortliste figuriert) als informelle Kaffeepausen oder Mittagessen, um Präsenz zu zeigen. Vermeiden Sie allerdings kumpelhaftes Gebaren, Sie sind ja schliesslich der Chef.
  2. Öffnen Sie Ihre Agenda – ausser Arztterminen gibt es keine, die Sie nicht Ihren Mitarbeitenden zeigen können. Auch die Meetings mit dem Ausschuss oder wichtigen Kunden. Kindergeburtstag, Baby- oder Hundesitten, Töpferkurs: alles in Ordnung. Sollten Sie einen Führungskurs besuchen, nennen Sie ihn Töpfern oder Aquarellmalen. Selbst wenn dies hinterfragt wird, ist das Thema so langweilig, dass Sie nur 2 Sätze dazu sagen müssen und dann niemand mehr zuhört. Geheimniskrämerei ist Gift für zwischenmenschliche Beziehungen.
  3. Wenn Sie von Meetings mit Ausschuss oder wichtigen Kunden zurückkehren, kommunizieren Sie! ‚Jetzt brauche ich einen Kaffee‘ oder ‚Mann, war das Scheisse‘ sind gute Einstiege und zeigen Ihren Mitarbeitern, dass Sie keine Geheimnisse vor ihnen haben und dass Sie darüber sprechen würden.
  4. Schreiben Sie keine Mails nach 21.00 Uhr, es sei denn, Sie befinden sich in einer anderen Zeitzone als Ihre Mitarbeitenden. Schreiben Sie auch keine Mails vor 7.00 Uhr, es sei denn, Sie befinden sich in einer anderen Zeitzone.
  5. Schreiben Sie keine Mails an Ihre Mitarbeitenden aus Ihren Ferien oder an Mitarbeitende in den Ferien, Weekends o.ä. Es gilt als sehr unprofessionell, Geschäft und Privates nicht gehörig zu trennen. Egal auf welcher Stufe.

Mit diesen 5 gut gemeinten Ratschlägen sind Sie bereits gut gerüstet. Vergessen Sie nicht, dass Sie sich als Chef nicht nur in den Dienst Ihres Betriebes gestellt haben, sondern eben auch in den Dienst Ihrer Mitarbeitenden. Vergessen Sie das nie!

Bleiben Sie cool und happy Friday!

Ihr Careersblog

 

 

Neue Serie: Führungsfehler

In keinem uns bekannten Kompetenzmodell fehlt sie, die Führungskompetenz. Als Unwort des Jahrtausends wird wohl kein Konstrukt häufiger diskutiert, definiert, inhaltlich befüllt und wieder geleert wie die Führungskompetenz. Jeder weiss, wovon die Rede ist, wenn von Führungsfähigkeiten gesprochen wird, und ebenso schnell wird offensichtlich, wenn sie fehlt. „Der Fisch stinkt am Kopf“ heisst es dann – und wir sind uns einig und es nicken alle: Fehlt die Führung oder ist die Führung am falschen Ort, läuft der Laden schlecht oder wird zumindest prognostisch bald schlecht laufen.

Deshalb wird sich der Careersblog in den kommenden Wochen besinnlich mit einer Serie von Führungsfehlern beschäftigen, ganz im Sinne der festlichen Adventszeit. Freuen Sie sich darauf und lernen Sie etwas daraus!

Bleiben Sie cool!

Ihr Careersblog