Lebenslauf: Zutaten

Letztes Mal haben wir darüber gesprochen, weshalb der tabellarische Lebenslauf auch heute noch das Rektrutierungsinstrument der Wahl ist. Heute wollen wir erläutern, weshalb welche Informationen in einen Lebenslauf gehören und weshalb nicht. Der Schreiber entscheidet wie immer selbst, ob und was letzten Endes im eigenen Lebenslauf steht.

Warum schreiben wir was in den Lebenslauf?

Militär? Kinder? Betreuung organisiert? Aufgaben mit Bullet Points, Hobbies, etc.? Religion? Was muss rein?

Für den Leser! 

Der Lebenslauf wird für den Leser geschrieben und das ist der potenzielle Arbeitgeber. Er ist nicht für den Bewerber! Meistens wird Stellensuchenden in Kursen empfohlen, sich als Auto anzupreisen: Der Lebenslauf ist dann die Hochglanzbroschüre. Der Leser möchte rasch die wichtigsten Eigenschaften des Autos herausfiltern können. Deshalb finden sich in Autobroschüren zunächst nur schöne Bilder von Rädern, Kofferräumen, Sitzen und Umbaumöglichkeiten; die Tabellen mit den technischen Daten sind meistens viel weiter hinten. Also: Der Leser benötigt Informationen. Welche?

Danken wir ans gute alte Recht: Ein Stellenbewerber ist in rechtlicher Hinsicht ein potenzieller Vertragspartner; der abzuschliessende Vertrag logischerweise ein Arbeitsvertrag und die dazu gehörenden Parteien Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es ist also hilfreich zu wissen, wer der potenzielle Arbeitnehmer ist. Zur eindeutigen Identifikation gehören (in der Schweiz!) Vorname und Name, Geburtsdatum und Heimatort, nicht zwingend die Adresse  (es ist aber gut zu wissen, wohin der Arbeitsvertrag versandt werden soll!). Am eineindeutigsten wäre wohl die AHV-Nummer, doch diese hat sich als Element im Lebenslauf noch nicht etabliert.

Für einen Arbeitgeber ebenfalls notwendig zu wissen ist, ob er dem Arbeitnehmer allfällige Familienzulagen auszuzahlen hat, also erwähnen wir noch die schulpflichtigen oder unmündigen Kinder? Natürlich beides, weil es Kinderzulagen und Ausbildungszulagen gibt. Der Arbeitgeber dankt! Soweit ist alles klar. Und die Niederlassungsbewilligung wird notiert, damit der Arbeitgeber weiss, ob der Quellensteuerabzüge machen muss oder nicht. Und ob er Sie überhaupt anstellen darf und ob Sie überhaupt in der Schweiz arbeiten dürfen.

Was muss der potenzielle Arbeitgeber sonst noch wissen? Er möchte mit dem Bewerber in Kontakt treten, also liefern wir doch auch noch Telefonnummer und Mail-Adresse, und zwar gleich zu Beginn. Wer sich per Mail bewirbt, tut gut daran, sich einen identifizierbaren Mail-Namen zuzulegen: Herr Fritz Meier ist fczuerifan@me.ch ist für Personalleute in ihren Postfächern nicht auffindbar, es sei denn, er nennt sich „Fritz Meier <fczuerifan@me.ch>“, dann gehts. Die Maxime ist immer dieselbe: Machen Sie es der Leserschaft einfacher!!

Dieses ganze erste Kapitel an Informationen nennt sich „Personalien“. Nicht „persönliche Infos“, nicht „Personelles“, nein, nur „Personalien“. Und diese sind niemals eine halbe Seite lang! Sparen Sie hier an Platz, was Sie können, befüllen Sie Ihre Kopfzeile (falls Sie wissen, wie das geht…) mit einem schönen Briefkopf, ja, das dürfen Sie! Verschwenden Sie keinen wertvollen Platz, indem Sie Ihre Adresse wie für ein Couvert auf zwei Zeilen schreiben. Glauben Sie mir, die wichtigen Informationen kommen erst noch!

Was ist mit Militär?

Eine schwierige Frage, in der Tat. Früher attestierte man den Militärs Führungsqualitäten, sofern sie denn mindestens die UO gemacht hatten. Heute hat sich dies etwas aufgelöst. Fragen wir uns doch ernsthaft: Wer es schafft, eine UO oder eine Offiziersschule und viele Wochen Abverdienen zu überstehen, zeigt Überlebenswillen, die Fähigkeit, auch dumme Befehle auszuführen und was noch? Gehorsam? Folgen können? Biegsamkeit? Werden schliesslich nicht alle Offizier, oder? Also, die meisten zeigen, dass sie hierarchische Systeme akzeptieren und damit mehrere Wochen leben können. Ich rate hier jeweils zu Beliebigkeit. Wem es passt, der soll’s erwähnen, wem nicht, der lässt’s sein.

Wie bereits erwähnt, suchen Rekrutierer zuerst nach den sogenannten Killerkriterien: in der Regel sind dies Fachkompetenzen wie Ausbildung-/Weiterbildung, Branchenkenntnisse, Sprachen und ggf. Computerkenntnisse (Architekten kommen ohne CAD nicht weit, HR-Leute benötigen in der Regel SAP, Grafiker Photoshop u.ä.). Alles andere ist vorläufig sekundär. Auch das Alter? Sofern Sie nicht älter als 45 Jahre alt und männlich sind – ja. Wenn Sie älter sind oder eine Frau im gebärfähigen Alter, verhält es sich anders.

Aus- und Weiterbildung – So heisst das nächste Kapitel in Ihrem Lebenslauf. Hier finden die Rekrutierer, was Sie als erstes suchen. Es handelt sich dabei um schulisch oder institutionell erworbene Fachkompetenzen.

Dann kommen die Beruflichen Qualifikationen oder Berufserfahrungen oder ähnlich.  Diese weisen aus, was Sie im Gegensatz zum schulischen Zeug in der Berufswelt gelernt haben.

Und dann kommen Sprachen, EDV- oder IT-Kenntnisse und – ganz wichtig! – die Freizeit oder Hobbies oder Aussercurriculäre Aktivitäten. Vergessen Sie nicht, dass die Personaler Sie als facettenreiche Person kennen lernen wollen und sollen! Also erwähnen Sie Ihr Hobby Chorsingen oder Tauchen oder auch Yoga und Sport allgemein, weil dies eine gute Work-Life-Balance vermuten lässt. Dazu noch ein guter Tipp: Wenn Sie sich für einsame Stellen bewerben wie beispielsweise Lokomotivführer oder Fluglotse oder Lastwagenfahrer, dann erwähnen Sie als Gleichgewicht Ihre soziale Ader oder den Volleyball-Klub. So zeigen Sie, dass Sie sozial sind und nicht beziehungsbehindert.

Schwierige Themen

Sie haben wegen einer akuten Lungenentzündung eine neun Monate grosse Lücke im Lebenslauf? Diese Lücke schreit geradezu nach einer Erklärung, oder? Also sprechen Sie sie an: Im Motivationsbrief oder im Lebenslauf selbst. Das müssen Sie tun! Wer dem Personaler keine plausible Erklärung liefert, der landet auf dem C-Haufen. Dem wird unterstellt, etwas vertuschen zu wollen. Der hat keine „vollständigen“ Bewerbungsunterlagen geliefert. Der verschwendet aller Zeit. Wollen Sie das?

Unerwünschte Hobbies

Sie gamen gerne nächtelang? Sie vergeuden Ihre Freizeit auf Facebook oder Netflix? Wenn Sie im Lehrlings- oder Studentenalter sind und Sie sich „nur“ für einen Nebenjob bewerben, können wir dies durchgehen lassen. Ansonsten besser weglassen. Der übermässige Konsum von Elektronika wird genau so geschätzt wie der übermässige Konsum von Alkohol oder Drogen. Auch gibt es bedauerlicherweise immer noch viele Menschen, die Vorurteile gegen Waffensportarten wie Luftgewehrschiessen oder ähnlich haben. Hier stellt sich dann jedoch eine grundlegende Frage: Wie weit soll man sich denn verbeugen oder gar lügen, um eine Stelle zu bekommen? Gar nicht! Wenn Sie tatsächlich Luftgewehrschiesssportler sind, dann erwähnen Sie das gefälligst. Ist doch toll für die Konzentration und zeigt die Bereitschaft, sich dem Wettbewerb zu stellen, oder?

Und was nicht hineingehört?

Referenzen mit Namen und Telefonnummern. Lohnvorstellungen. Name oder Berufe der Eltern. Religionszugehörigkeit (ausser, Sie bewerben sich für eine Stelle bei den Landeskirchen und Sie müssen zwingend katholisch sein). Politische Haltungen (es sei denn, Sie bewerben sich für eine Partei o.ä.). Namen und Geschlecht aller Kinder. Sonstige persönliche Daten wie Schuhgrösse (ja, ja, ich weiss, es sei denn, Sie bewerben sich als Fotomodell) o.ä. Auch nicht erwähnt werden müssen Usernamen auf sämtlichen sozialen Medienplattformen.

Und nächstes Mal: Was ist denn jetzt mit dem Kurzprofil?

Bleiben Sie cool! Schöne Woche wünscht

Ihr Careersblog

 

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