Führungsfehler: Micromanagement

Wer kennt ihn nicht, den Vorgesetzten, der minuziös Stundenrapporte seines Teams studiert oder Präsentationen mit Fehlerkorrekturen retourniert mit der Bitte, sich um die ‚paar Kleinigkeiten‘ zu kümmern? Der einer versierten Fachkraft einen Bericht zu Faden schlägt und für ein Gespräch mit Kunden den Gesprächsverlauf vorbespricht? Wenn Sie solche Verhaltensweisen an Ihrem Vorgesetzten erkennen, dürfen Sie ihn ruhig Micromanager nennen.

Woran erkennen Sie einen Micromanager? Hier die wichtigsten Kennzeichen:

  • Kontrolliert Arbeitszeitrapporte genau und weist auf das Fehlen bezogener Pausen hin
  • Kontrolliert Präsentationen, Berichte u.ä. von Mitarbeitenden auf Rechtschreibfehler und korrigiert diese
  • Spricht Gesprächstext vor; beginnt dabei mit ‚Du kannst ja XXX sagen…‘
  • Bespricht einen Bericht mit Ihnen bevor Sie ihn geschrieben haben
  • Hat in der Regel wenig Ahnung vom ‚Geschäft‘
  • Entscheidet nicht selber und erteilt keine Aufträge
  • Ist unzuverlässig, verpflichtet sich nicht gerne, lässt sich nicht gerne festnageln und wird säuerlich, wenn gerade dies versucht wird

Natürlich können wir die Liste unendlich weiter führen. Einige Verhaltensweisen haben zwar mit Micromanagement zu tun, finden sich jedoch auch sonst als Führungsfehlverhalten.

Was ist zu tun, wenn der eigene Vorgesetzte Micromanager ist?

Dafür müssen wir zunächst etwas Verständnis entwickeln dafür, weshalb ein Micromanager tut, was er tut. Micromanager tun ja eigentlich das, was sie gut können, und das ist administrieren, kontrollieren, korrigieren. Und das, was sie nicht gut können, tun sie schlicht und ergreifend nicht, das tun in der Regel das Team und die anderen. Micromanager leben denn auch auf ihrer eigenen Stufe unter ihresgleichen auf Kosten der anderen. Meistens fehlt es ihnen an Entrepreneurship, überhaupt an Unternehmertum oder Geschäftssinn. Sie haben heimliche oder weniger heimliche Ambitionen, die sie aber nicht mit den anderen teilen, da sie fürchten, dass ihnen etwas vor der Nase weggeschnappt wird. Und weil sie eben nicht mehr als administrieren können, tun sie dies im Übermass. Meistens sind sie auch fachlich wenig oder nur oberflächlich versiert, sodass sie auch hier auf ihr Lieblingshobby Administrieren ausweichen müssen.

Was ist also zu tun? Die meisten Mitarbeitenden von Micromanagern nehmen die Haltung ein, dass ein sie nicht störender Vorgesetzter ein guter Vorgesetzter ist. Ab und zu etwas nerven dürfen auch Vorgesetzte. Wenn Sie aber an Ihre eigene Entwicklung denken, dann werden Sie mit einem Micromanager auf keinen grünen Zweig kommen. Der wird Sie nämlich behindern in Ihrem Fortkommen. Das muss nicht mal Absicht sein, bloss sieht er ja nicht über Stundenrapporte oder Berichtskorrekturen hinaus, also wird er auch nicht unbedingt Ihre Talente erkennen können oder fördern wollen. Sie könnten ja besser sein!

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Führungsfehler: Kommunikation

Über die Kommunikation finden sich meterweise Literatur, Studiengänge, Kurse, Ratgeber und Blogposts wie diesen hier. Die Königsklasse der Führungsfehler wird eigentlich angeführt von Kommunikationsfehlern. Es wird über eine fehlende Fachkompetenz noch eher hinweggesehen als über die Art und Weise, wie der Chef oder eben die Führung spricht und schreibt oder eben nicht spricht und schreibt. Deshalb gilt es bei der Kommunikation etwas zu differenzieren. Sowohl auf der mündlichen als auch auf der schriftlichen Ebene gibt es die Informationsvorenthaltung, die Informationsteilvorenthaltung und die Falschinformation. Nicht berücksichtigen wollen wir an dieser Stelle die nonverbale Kommunikation, dies überlassen wir gewieften sozialwissenschaftlich oder tiefenpsychologisch-haptisch angehauchten Vertretern. Auch wollen wir das „Wie“ der Kommunikationsfehler etwas auslassen, also den Nuschler oder den Orthographiefehlermacher beispielsweise.

Informationsvorenthaltung und -teilvorenthaltung

Im Volksmunde von Geheimniskrämerei bis Hinterfotzigkeit genannt, hat eine Führungsperson auf mehreren Ebenen verloren, wenn sie ihren Mitarbeitern Informationen nicht oder teilweise zukommen lässt. Als Folge davon wissen die Mitarbeiter nicht oder nur teilweise, was sie für die Erledigung ihrer Geschäfte wissen sollten, auf zwischenmenschlicher Ebene verlieren Sie als Führungsperson das Vertrauen der Mitarbeiter, aus der Sicht der Obrigkeit ist es vielleicht richtig, dass Sie nicht alles gesagt haben, was über der gläsernen Decke passiert, aber im Falle von Fehlern werden Sie geradestehen müssen und niemand anders.

Der einfache Denkfehler, der hier passiert, ist nämlich die eben falsche Annahme, dass Information Macht darstellt – und diese will nicht geteilt werden mit niederem Fussvolk, man ist ja schliesslich der Chef. Ein veraltetes Führungsbild. Nicht das Ausmass an Information, das von oben erhalten und nach unten geteilt wird, ist Macht, sondern – etwas plakativ gesagt – darauf basierende Entscheidungen sind Macht. Wer Informationsflüsse kontrollieren will, betreibt Micro Management oder hat den Paten zu oft gesehen. Oder im Klartext: Ihre Mitarbeiter können alles wissen, Entscheidungen treffen können sie nicht. Das darf und kann nur der Chef. Also hören Sie auf, sogenannte Salamitaktik zu betreiben, informieren Sie umfassend und transparent, dann gewinnen Sie. Ausser, Sie arbeiten in der Politik, dann gilt das nicht für Sie.

Die Falschinformation

Leider ist auch die Falschinformation ein häufig auf Führungsebenen anzutreffendes Phänomen, das auf der Careersblog „Würdeskala“ sehr weit unten figuriert. Die Falschinformation birgt ja ein so grosses betriebliches Risiko auf vielen Ebenen, dass wir darauf separat in einem weiteren Blogpost eingehen wollen. Die Konsequenzen von Falschinformation sind dieselben wie oben beschrieben. Sie verlieren das Vertrauen der Mitarbeiterschaft, der Obrigkeit, Betriebsrisiko, da da da, plus zusätzlich haben Sie sich selber gerade als 6jähriges Kind geoutet, dass aus Furcht vor irgendwelchen Konsequenzen lügt. In diesem Fall sind Sie als Führungsperson definitiv an der falschen Stelle. Nehmen Sie sich das zu Herzen, wenn Sie eine neue Führungsperson sind: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter aus welchen Gründen auch immer mit Falschinformationen beliefern müssen oder beliefert haben, nehmen Sie eine Auszeit! Kündigen Sie und gehen Sie reisen! Ihr Betrieb hat Sie nicht verdient und Sie haben diesen Betrieb nicht verdient.

Machen Sie es besser

Kommunizieren Sie umfassend, halten Sie keine Information zurück. Wenn es beispielsweise um eine Betriebsauflösung oder um eine Kündigungswelle oder eine Übernahme geht, müssen Ihre Mitarbeiter das wissen. Die meisten haben es sowieso schon gemerkt, ähm, weil sie in diesem Betrieb arbeiten? Schrumpfende Auftragsvolumina, ein Rückgang an Neuanstellungen, Stellenzusammenlegungen – Ihre Mitarbeiter sind ja nicht blind oder taub. Vergessen Sie auch hier nicht, dass Sie als Führungsperson im Dienste Ihrer Mitarbeiter stehen, und nicht nur im Dienste Ihres Betriebes.

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